Spermidin und Long COVID: Was die Forschung untersucht

„Die Natur selbst ist der beste Arzt.“
— Hippokrates zugeschrieben

Eine Corona-Infektion kann Beschwerden hinterlassen, die weit über die akute Erkrankung hinaus anhalten. Eine ältere Schätzung geht davon aus, dass etwa jeder achte Mensch nach einer Infektion Long COVID entwickelt [1].

Warum manche Menschen langfristig betroffen sind, ist noch nicht vollständig geklärt. Auch die Suche nach wirksamen Behandlungsansätzen stellt die Medizin weiterhin vor Herausforderungen. Ein Forschungsgebiet beschäftigt sich mit den natürlichen Recyclingprozessen unserer Zellen – und mit der Frage, welche Rolle Spermidin dabei spielen könnte [2,3].

Welche Beschwerden treten bei Long COVID auf?

Von Long COVID spricht man, wenn gesundheitliche Beschwerden länger als vier Wochen nach einer Coronavirus-Infektion anhalten oder neu auftreten. Das Krankheitsbild ist vielfältig und kann sich von Mensch zu Mensch deutlich unterscheiden.

Zu den häufig beschriebenen Beschwerden gehören [4]:

  • anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung;
  • Atemnot;
  • Husten;
  • Schlafstörungen;
  • Angstgefühle;
  • depressive Verstimmungen;
  • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme.

Gerade die kognitiven Beschwerden werden häufig als „Brain Fog“ bezeichnet: Betroffene haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, Informationen zu verarbeiten oder sich an Dinge zu erinnern.

Welche Rolle könnten gestörte Zellprozesse spielen?

Viren nutzen die Strukturen ihrer Wirtszellen, um sich zu vermehren. Dabei können sie auch deren Stoffwechsel und natürliche Schutzmechanismen verändern.

Bei SARS-CoV-2 untersucht die Forschung unter anderem den Einfluss auf die Autophagie [2,3,6]. Dieser Prozess ist Teil der zellulären Qualitätskontrolle: Beschädigte oder nicht mehr benötigte Bestandteile werden abgebaut und ihre Bausteine erneut genutzt. Auch bei der Abwehr von Krankheitserregern spielt die Autophagie eine Rolle.

Wird dieser Ablauf gestört, kann das die Funktion der Zellen beeinträchtigen und die Virusvermehrung begünstigen. Ob und in welchem Umfang solche Veränderungen zu anhaltenden Beschwerden nach einer Corona-Infektion beitragen, wird weiter erforscht.

Spermidin und SARS-CoV-2: Ergebnisse aus dem Labor

Da SARS-CoV-2 die Autophagie beeinflussen kann, untersuchen Forschende Substanzen, die diesen Prozess anregen [2,3]. Dazu gehört Spermidin.

Spermidin kommt natürlicherweise im Körper vor und ist auch in Lebensmitteln wie Weizenkeimen und Sojabohnen enthalten. Besonders interessant ist seine Fähigkeit, zelluläre Recyclingprozesse zu unterstützen.

In einer Laborstudie wurde Spermidin zu mit SARS-CoV-2 infizierten Zellkulturen gegeben. Unter bestimmten Versuchsbedingungen verringerte sich die Menge infektiöser Viruspartikel um bis zu 85 Prozent [3].

Dieser Befund liefert einen Ansatzpunkt für weitere Untersuchungen. Er zeigt jedoch noch nicht, ob die Einnahme eines Spermidinpräparats Long COVID vorbeugen oder bestehende Beschwerden lindern kann. Dafür sind klinische Studien mit betroffenen Menschen erforderlich.

Weitere Forschungsbereiche zu Spermidin

Das wissenschaftliche Interesse an Spermidin reicht über Virusinfektionen hinaus. Untersucht werden insbesondere seine Zusammenhänge mit:

  • zellulärer Reinigung und Erneuerung: Spermidin kann die Autophagie anregen und damit den Abbau beschädigter Zellbestandteile unterstützen [7];
  • der Immunfunktion: Studien beschäftigen sich mit seiner Bedeutung für Immunzellen und deren Funktionsfähigkeit [3,8,9];
  • dem Energiestoffwechsel: Im Mittelpunkt steht unter anderem die Funktion der Mitochondrien, die einen wesentlichen Teil der Zellenergie bereitstellen [10];
  • altersbedingten Veränderungen: Die Forschung untersucht, wie Spermidin über die Autophagie zum Erhalt der Zellfunktion beitragen könnte [11];
  • Gedächtnis und kognitiver Leistungsfähigkeit: Auch mögliche Zusammenhänge mit der Gehirnfunktion werden erforscht [12];
  • entzündlichen Prozessen: Experimentelle Arbeiten beschreiben entzündungshemmende Eigenschaften [13];
  • neurodegenerativen Erkrankungen: Dazu gehören Untersuchungen im Zusammenhang mit Alzheimer und Parkinson [14,15];
  • der Herz-Kreislauf-Gesundheit: Studien beschäftigen sich mit möglichen schützenden Wirkungen sowie Zusammenhängen mit dem Blutdruck [16].

Die Ergebnisse stammen aus unterschiedlichen Forschungsansätzen. Erkenntnisse aus Zell- und Tierexperimenten sowie beobachtete Zusammenhänge beim Menschen sind dabei jeweils gesondert einzuordnen.

Spermidin über Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel?

Wie viel Spermidin wir täglich aufnehmen, hängt von unserer Ernährung ab. Eine größere, gleichbleibende Menge allein über Lebensmittel zu erreichen, kann im Alltag schwierig sein.

Nahrungsergänzungsmittel bieten die Möglichkeit, eine festgelegte Menge aufzunehmen. Natürliche Ausgangsstoffe unterscheiden sich dabei sowohl im Spermidinanteil als auch im Glutengehalt.

Natürliche Quelle Angegebener Spermidinanteil Gluten
Weizenkeimextrakt  1,2 mg pro Gramm Enthält Gluten
Speziell biologisch angebaute Buchweizenkeime  5 mg pro Gramm Glutenfrei


 

Bei der Auswahl lohnt sich ein Blick auf die genaue Zusammensetzung, die angegebene Tagesportion und mögliche Allergene. Die Konzentration im Ausgangsstoff ist dabei von der Spermidinmenge zu unterscheiden, die eine Tagesportion tatsächlich liefert.

Neben natürlichen Extrakten werden auch synthetische Formen angeboten, beispielsweise Spermidin-Trihydrochlorid. Die Herkunft sollte aus der Kennzeichnung hervorgehen.

Für die Behandlung von Long COVID lässt sich aus den beschriebenen Laborergebnissen keine Empfehlung für ein bestimmtes Präparat oder eine bestimmte Dosierung ableiten.

Fasten bei Long COVID?

Fasten kann die Autophagie beeinflussen. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass es bei Long COVID sinnvoll ist.

Eine gezielte Einschränkung der Nahrungsaufnahme sollte während einer Erkrankung nicht allein mit dem Ziel erfolgen, die Autophagie anzuregen. Der Körper benötigt Energie und Nährstoffe; bei anhaltenden Beschwerden ist deshalb eine individuell abgestimmte Ernährung wichtig.

Wer über eine Ernährungsumstellung oder Fasten nachdenkt, sollte dies mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprechen.

Was bedeuten die bisherigen Erkenntnisse?

Die Forschung zeigt, dass Spermidin zelluläre Recyclingprozesse beeinflussen kann und in Laborversuchen die Vermehrung von SARS-CoV-2 verringerte. Das macht die Substanz für weitere wissenschaftliche Untersuchungen interessant.

Ob daraus ein wirksamer Ansatz zur Vorbeugung oder Behandlung von Long COVID entstehen kann, ist bislang offen. Die beschriebenen Ergebnisse bilden eine Grundlage für weitere Forschung.

Quellen

[1] NPO Kennis. Abgerufen am 9. Januar 2023: https://npokennis.nl/story/217/wat-is-long-covid

[2] Vomero, M., Barbati, C., Colasanti, T., Celia, A. I., Speziali, M., Ucci, F. M., et al. (2020). Autophagy modulation in lymphocytes from COVID-19 patients: new therapeutic target in SARS-COV-2 infection. Frontiers in Pharmacology, 11, 569849.

[3] Gassen, N. C., et al. (2021). SARS-CoV-2-mediated dysregulation of metabolism and autophagy uncovers host-targeting antivirals. Nature Communications, 12(1), 1–15.

[4] Noordzij, M. (2022). 7 vragen over ontstaan en behandeling van long-COVID. Nursing, 28(6), 42–48.

[5] de Volkskrant. Abgerufen am 9. Januar 2023: https://www.volkskrant.nl/wetenschap/veel-genezen-coronapatienten-houden-nog-maanden-serieuze-klachten~be1337de/

[6] Lakshmana, M. K. (2022). SARS-CoV-2-induced autophagy dysregulation may cause neuronal dysfunction in COVID-19. Neural Regeneration Research, 17(6), 1255.

[7] Liao, C. Y., et al. (2021). The autophagy inducer spermidine protects against metabolic dysfunction during overnutrition. The Journals of Gerontology: Series A, 76(10), 1714–1725.

[8] Pietrocola, F., et al. (2019). Spermidine reduces cancer-related mortality in humans. Autophagy, 15(2), 362–365.

[9] Alsaleh, G., et al. (2020). Autophagy in T cells from aged donors is maintained by spermidine and correlates with function and vaccine responses. eLife, 9, e57950.

[10] Madeo, F., et al. (2018). Spermidine in health and disease. Science, 359(6374), eaan2788.

[11] Bhukel, A., et al. (2017). Spermidine boosts autophagy to protect from synapse aging. Autophagy, 13(2), 444–445.

[12] Kiechl, S., et al. (2018). Higher spermidine intake is linked to lower mortality: a prospective population-based study. The American Journal of Clinical Nutrition, 108(2), 371–380.

[13] Jeong, J. W., et al. (2018). Spermidine protects against oxidative stress in inflammation models. Biomolecules & Therapeutics, 26(2), 146.

[14] Pekar, T., et al. (2021). The positive effect of spermidine in older adults suffering from dementia. Wiener Klinische Wochenschrift, 133(9), 484–491.

[15] Tan, C. C., et al. (2014). Autophagy in aging and neurodegenerative diseases: implications for pathogenesis and therapy. Neurobiology of Aging, 35(5), 941–957.

[16] Eisenberg, T., et al. (2016). Cardioprotection and lifespan extension by the natural polyamine spermidine. Nature Medicine, 22(12), 1428–1438.

ONLINE KAUFEN

Sowohl die empfohlenen Produkte aus Ihrem Behandlungsplan als auch die zusätzlichen Produkte sind in verschiedenen Online-Shops frei erhältlich. Durch Eingabe der Beschreibung der für Sie empfohlenen und zusätzlichen Produkte in Google finden Sie schnell einen guten Anbieter. Es gibt einen spezialisierten und professionellen Anbieter, der alle im Sortiment aufgeführten Produkte anbietet.